Zweiter Platz beim Lanzarote Marathon

Selten habe ich ein so taktisch geprägtes und spannendes Rennen erlebt. Der Start fand in Teguise auf einem kleinen Hügel statt und es ging auf den direkten Weg an der Strandpromenade Richtung Westen zum Flughafen. Auf den ersten 21.1km konnte man relativ gut rollen und die teilweise ziemlich hügelige Strecke (ca. 380hm) auf einem sehr grobkörnigen Asphalt wirkte erstmal harmloser, als ich erwartet habe. Den Halbmarathon passierten wir in einer 5.-köpfigen Spitzengruppe in 1:15h und alle machten einen einigermaßen fitten Eindruck. Nach dem Wendepunkt begann ein neues, völlig verrücktes Rennen. Der Gegenwind im Mittel um die 30km/h  machte die Angelegenheit zu einem taktischen Schauspiel, da niemand vorne laufen wollte. Alle schauten sich fragend an und die ersten „Stehversuche“ begannen. Da alle nur auf die Platzierung fokussiert waren und die Endzeit völlig sekundär erschien, war auch ein km in 4:30min nur eine Randnotiz. Ab km 25 wurde ein Spanier nervös und versuchte aus die Gruppe zu sprengen indem er einen 3:23er Kilometer lief. Aber im Windschatten konnten alle folgen und er selbst wirkte nach der Aktion ziemlich angeschlagen und fiel nach einer weiteren Tempoverschärfung aus der Gruppe raus. So waren wir nur noch zu viert. An einem giftigem Hügel bei km 30 erfolgte dann die Attacke des Belgiers Ludwig Leverbe und nur der spanische Favorit Jose Carlos Hernandez konnte folgen. Mir machten die ständigen Rhytmusveränderungen zu schaffen und bergauf hatte ich der explosiven Attacke nichts mehr entgegenzusetzen und verlor den Anschluss. Auch der „Salomon Trailpro“ Tòfol Castanyer lief mir weg und ich war plötzlich auf dem undankbaren vierten Platz. Alleine im Wind musste ich mich jetzt sehr quälen und auch mental war die Angelegenheit äußerst ungünstig, da das Rennen scheinbar um das Podium scheinbar gelaufen war. Ich versuchte in dem nächsten Flachstück meinen Rhytmus wieder aufzunehmen und ich konnte relativ schnell auf den Dritten Tòfol  aufschließen. Dort ruhte ich mich im Windschatten einige Kilometer etwas aus und plötzlich kam der Favorit in seinem leuchten gelbem NB Shirt wieder ins Blickfeld. Er fasste sich ständig an den Oberschenkel und wurde langsamer. Der große Favorit und 2:17h Marathonläufer hatte Krämpfe und konnte auch das Tempo von uns nicht mitgehen, nachdem wir ihn überholten. So ging es auf einmal um Platz 2! Der Belgier machte in weiter Ferne einen gnadenlosen starken Eindruck und uns war klar, dass es nicht mehr um den Sieg ging. Bei km 39 nahm ich das Heft in die Hand und setzte mit den letzten Kräfte zu einer Attacke an. Jetzt oder die dachte ich mir, da es den letzten Kilometer bergauf ging und ich wusste, dass da der Trail- und Ultraläufer die besseren Karten hat. 400m Vollgas ohne sich anzugucken war mein Plan. Und tatsächlich- es hat geklappt und ein 50m großes Loch entstand. Ich versuchte das Tempo hoch zu halten und konnte mit einer Minute Vorsprung auf Tòfol das Ziel erreichen. Der Zieleinlauf vor mehreren applaudierenden Menschen war ein ganz besonderes Erlebnis und das Ende eines Wahnsinnsrennen!