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Sevilla Marathon 2020 – ein perfektes Rennen!

Sevilla Marathon – ein perfektes Rennen

Plötzlich ist der Knoten geplatzt.  Der Rennverlauf ist schnell erzählt, da es ein Marathon wie im Rausch war und ich mich vom ersten Meter bis zur Ziellinie ohne Zwischentief oder sonstige Probleme gut gefühlt habe. Der erste 5km-Abschnitt war mit einem 3:26er-Schnitt der langsamste und die zweite Hälfte war mit einer flachen 1:11Std deutlich schneller als das erste Teilstück.

Gefühlt habe ich für diesen Marathon fast acht Jahre trainiert. Aber warum ausgerechnet jetzt? Meine Lebensumstände sind aktuell nicht unbedingt die eines 2:23h-Marathonläufers. Zwei Kinder, viel Arbeit und teilweise sehr wenig Schlaf. Ich habe weder eine klassische Marathonvorbereitung durchgezogen noch vor dem Marathon richtig raus genommen („getapert“), da ich mich in erster Linie auf die 100km-DM in Grünheide vorbereitet habe. Der Sevilla-Marathon war als Trainingslauf gedacht. Erst einige Tage vor dem Rennen habe ich mich dazu entschlossen meine Bestzeit anzugreifen, da ich merkte, dass ich gut in Form bin.

 

Seit mehr als drei Jahren habe ich vergeblich darauf hintrainiert, dass ich meine Marathon Bestzeit (2:26:52h) unterbiete. Viel wurde ausprobiert und einiges im Training umgestellt, um weiteres Potential auszuschöpfen. Ich bin ins Trainingslager gefahren, habe teilweise über 200km pro Woche abgespult und bin zum Teil zweimal täglich gelaufen. Bei den Wettkämpfen, wie im vergangenen Jahr in London oder auch zwei Mal in Berlin, habe ich mein Ziel aus verschiedenen Gründen dennoch nicht erreicht. Immer solide unter die 2:30h-Schallmauer, aber eben nie das ganz große Ding, sodass ich damit schon fast abgeschlossen hatte.

Aber warum ausgerechnet in der andalusischen Sonne, obwohl ich in den letzten Jahren teilweise viel härter, fokussierter und auch spezifischer für den Marathon trainiert habe? Die Analyse und die Erkenntnisse, die ich daraus ziehe, sind für mein zukünftiges Training und die Gestaltung der Wettkampfvorbereitung durchaus interessant. Hier habe ich mal ein paar relevante Komponenten zusammengetragen, die meiner Meinung nach zu dem Erfolg beigetragen haben könnten:

Wenig Wettkämpfe

Es war mein erster Wettkampf seit dem Silversterlauf in Münster. Ich wäre sehr gerne einige Vorbereitungswettkämpfe gelaufen. Da ich aber im Winter sonntags meine Laufkurse gebe, hat sich in diesem Frühjahr schlichtweg kein Wettkampf angeboten. Dafür hatte ich in Sevilla wahnsinnig Lust auf den Marathon und habe schon an der Startlinie gar nicht abwarten können, endlich wieder an einem großen Wettkampf teilzunehmen.

Neue Reize

Im Zuge der Ultramarathon-Vorbereitung bin ich mehrfach länger als 42km gelaufen. mein längster Lauf waren 50km. Als Ausgleich dazu habe ich den Mut gehabt, einen Ruhetag pro Woche einzubauen. In einigen Marathonläufen hatte ich ab km 30 mit muskulären Problemen zu kämpfen. Die Überdistanzläufe scheinen mich vor allem muskulär noch besser auf einen Marathon vorbereitet zu haben. Zudem habe ich einmal wöchentlich harte Tempoläufe auf der Bahn, wie 8 mal 1000m in 3:05min oder 10 mal 400m (ca. 67sek), gemacht und regelmäßig Berganläufe und Sprints ins Training eingebaut.

Mentale Komponente

Ich laufe am besten, wenn ich keinen zu großen Druck habe und locker in den Wettkampf gehen kann. Das war in London im April des letzten Jahres nicht der Fall, als ich mich trotz Topform „nur“ zu einer 2:29h gequält habe. Eine Woche später beim Wings for life Run in München konnte ich dann ohne eine Erwartungshaltung beweisen, dass ich gut drauf bin.

Viele Wochen solides Training

14 Wochen solides Training – ohne Spitzenwochen oder Trainingslager mit einem Umfang von 117-140km (125km im Schnitt) ohne einen bedeutenden Ausfall durch eine Verletzung oder Infekt etc.

Hohe Dynamik

Nach dem Münster-Marathon habe ich viele Wochen sehr wenig trainiert und eine für mich unüblich ausgedehnte Saisonpause gemacht. Ich hatte das Gefühl, dass ich danach nur sehr schwerfällig ins Training zurückgekommen bin und musste auch einige Trainingseinheiten abbrechen, da ich mich unfit und ausgelaugt fühlte (oft auch in Verbindung mit kurzen Nächten und langen Arbeitstagen). Noch im Dezember habe ich häufig das Gefühl gehabt, dass mir die Leichtigkeit abhanden gekommen ist und ich mich durch jede Einheit durchschleppen muss. Nach dem Silvesterlauf lief es dann Woche für Woche besser und auch dank meiner starken Trainingskollegen konnte ich mich immer weiter verbessern und die Formkurse stieg kontinuierlich an.

Schnelle Schuh

Mit dem Nike VaporFly next% hatte ich den wahrscheinlich schnellsten Schuh auf dem Laufschuhmarkt an. Wie viel letztendlich der Laufschuh zur neuen Bestzeit beigetragen hat, ist schwierig einzuschätzen. Ausschlaggebend waren sicherlich die oben genannten Faktoren.

In gut zwei Wochen werde ich nun meinen ersten 100km-Lauf in Grünheide bestreiten. Der Marathon in Sevilla macht auf jeden Fall Lust auf mehr!